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Lilia grummelt seit letzter Woche still vor sich hin. Immer nur Regen, Regen, Regen macht auch einer kleinen Elfe keinen Spaß. Klaro weiß sie, dass der Regen so was von wichtig für die Natur ist. Der Regen der letzten Tage erweckt in ihr jedoch das Gefühl unter einem Wasserfall zu leben, und das hat auf Dauer nichts Magisches oder Mystisches an sich. Am liebsten würde sie die Regenwolken dorthin pusten, wo Wasser wirklich dringend benötigt wird. Leider kann sie das nicht … auch wenn Lilia eine Inmensa Magia Elfe ist, diesen Zauber beherrscht sie leider nicht. Deshalb grummelt sie vor sich hin …. Weshalb? Na deshalb… weil sie das Wetter nicht ändern kann. Und weil sie die Welt nicht ändern kann. Dabei würde sie soooo gerne die Heldin der Welt sein. Alle Krankheiten beseitigen, alle Kriege in Frieden verwandeln, die Zerstörung der Natur rückgängig machen, Liebe säen, wo Hass herrscht, und, und, und …. Und weil sie das nicht kann, hat sie keine Lust an meiner Montagsgeschichte mitzuwirken. Tja, auch Elfen haben es nicht immer leicht … und Schmetterlinge auch nicht.

Die Leichtigkeit des Schmetterlings

Es war ein wunderschöner, angenehm warmer Sommertag. Maja lief vor sich
hin grummelnd zum nahe gelegenen Waldrand. Die prachtvoll blühende, bunte Sommerwiese, über die sie wütend stampfte, nahm sie gar nicht wahr. „Warum ist man überhaupt auf dieser besch … Welt, wenn das Leben so mühselig ist“ dachte sie mit schwerem Herzen.

Beruflich klappte es nicht so, wie sie es sich vorgestellt hatte, und jetzt war sie auch noch mit Daniel aneinandergeraten. Sie hatten sich zum x-ten Mal gestritten. Maja wollte gerne heiraten, doch Daniel hatte keine Ambitionen für eine Veränderung in diese Richtung. Maja sehnte sich nach Familie und Kindern, doch er wollte lieber reisen und die Welt kennenlernen, bevor er sich einer so großen Verantwortung wie Ehe und Familie stellte. Maja wollte es JETZT!
Sie wollte endlich glücklich sein. Zu ihrem Glück fehlte ihr nur Erfolg im Beruf, die Ehe mit Daniel, Kinder und … Maja unterbrach ihre Gedanken. Irgendetwas stimmte nicht. Sie setzte sich in das angenehm warme Gras,
nahm einen tiefen Atemzug und ließ ihren Blick in die Ferne schweifen.

Während sie etwas ruhiger wurde, tauchten vor ihrem inneren Auge Bilder
aus ihrer Kindheit auf. Maja sah sich im zarten Alter von fünf Jahren in der Spielwarenabteilung des großen Kaufhauses ihrer Heimatstadt stehen, ihre Kinderaugen wie gebannt auf die Puppe mit den goldblonden Haaren geheftet … Wenn sie genau diese Puppe haben könnte, dann wäre ihr Glück perfekt.

In Majas Erinnerungen zeigten sich viele weitere vermeintliche Glückschancen. Ihr Glück wäre perfekt, wenn sie mit Rita aus der Parallelklasse befreundet wäre … wenn sie das pinkfarbene Kleid besitzen würde … wenn sie nach Spanien in Urlaub fahren würde … wenn sie ihre Haare blond färben würde … wenn … .
Wie viele WENNS waren mit ihrem Glück verbunden ??? Maja seufzte schwer.

Aus dem Augenwinkel nahm sie einen wunderschönen Schmetterling wahr, der vor ihr in der Sommerluft tanzte. „Ja, mein Glück wäre perfekt, wenn mein Leben so leicht wäre wie das eines Schmetterlings“, träumte sie vor sich hin.
Just in diesem Augenblick hatte sie das Gefühl, von liebevollen Armen umfangen zu sein.

Maja beobachtete den leichten Tanz des bunten Falters und stellte sich empathisch auf ihn ein. Mit ihrer Hellfühligkeit nahm sie ein Gefühl der Erschöpfung wahr. Das konnte doch nicht sein! Wieso sollte dieser wunderschöne Schmetterling sich so kraftlos fühlen. Maja stellte ihre Augen scharf und sah an der Blattunterseite eines nahestehenden Beerenstrauches eine Vielzahl winzig kleiner gelber Eier kleben. „Ah, Frau Schmetterling hat soeben ihre Eier abgelegt, deshalb fühlt sie sich so ausgelaugt“ dachte Maja.

Lea, die Schmetterlingsdame, beobachtete ihrerseits Maja und dachte, „Mensch müsste Schmetterling sein. Dann würde mir die ganze Welt zu Füßen liegen und mein Leben wäre viel leichter.“ Wehmütig schaute sie auf ihre vor kurzem abgelegten Eier. Was ihre Kinder alles würden durchleben müssen, bedachte sie mit Tränen in den Augen. „Jetzt liegen sie wohlbehütet im Schutze dieses Blattes, aber in kurzer Zeit werden sie als Larven schlüpfen. Ohne Flügel und ohne Facettenaugen“, seufzte Lea. Viele Menschen empfinden die Kinder von Schmetterlingen als Schädlinge, denn im Raupenstadium sind sie unersättlich. Wie viele von ihnen würden die Gefahren überleben, die ihnen der Stempel als Schädling aufdrückte?

„Sie müssen doch viel Nahrung aufnehmen, um zu wachsen und zu gedeihen“ sorgte sich Lea. Vier bis fünf Mal müssen die kleinen Raupen sich in ihrer Wachstumsphase häuten, wobei sich ihr Volumen jeweils etwa verdoppelt. Kurz vor der Häutung schwellen die Körper der Kleinen an, bis die alte Haut platzt und sie diese durch Muskelbewegungen nach hinten absteifen können. Nach jedem Wachstumsschub werden sie besser sichtbar sein, für Mensch und Tier. Wie viele würden dies überleben? Würden sie die Schmerzen, die die Häutungen mit sich bringen, gut überstehen. Oder wären die Erlebnisse so traumatisch, dass sie aufgäben?

Lea dachte an die kurze Verschnaufpause, die ihre Kinder im Puppenstadium genießen durften. An einem ruhigen und geschützten Platz würden sie sich in ein Seidenpolster hängen, sich ein letztes Mal häuten und anschießend verpuppen. In der Ruhe und in dem Schutz des Kokons würden sich ihre Raupenkinder in prachtvolle Schmetterlinge verwandeln. Sie vollzögen diese Wandlung in ein paar Tagen. Es gab Verwandte, die dazu Monate brauchten und manche sogar viele Jahre.

„Letztendlich kommt für alle die Zeit der Schwere“, seufzte Lea zum wiederholten Male. Nach Ablauf der Ruhe- und Umwandlungszeit sprengt der ausgewachsene Schmetterling dann unter großer Anstrengung die vormals schützende Hülle. Es kann viele Stunden dauern, ehe der Falter sich ans Tageslicht gekämpft hat. Hat er es dann endlich geschafft, ist er sehr verletzbar. Sein neuer Körper ist noch weich und feucht, seine Flügel sind zerknittert. Doch in der angenehm warmen Sommerluft trocknet er rasch, die Flügel strecken und erhärten sich. Dann steigt er endlich in die Lüfte, um im Sommerwind zu tanzen.

Majas Blick wurde auf magische Weise zu einem kleinen Busch gezogen.
Dort konnte sie einen Schmetterlingskokon erkennen. Sie erinnerte sich daran irgendwo gelesen zu haben … „Hilft man einem Schmetterling leichter zu schlüpfen, indem man den Kokon aufschneidet, dann kann er nicht fliegen.”

Plötzlich roch Maja den Duft von Weihrauch. Ihr wurde ganz warm ums Herz. Der Engel der Leichtigkeit nahm seine Hände von Majas Schulter, trat einen Schritt zurück und lächelte.

© Text: Monika Schmitt

Ich wünsche euch einen wundervollen Start in eine sonnige Woche
Von Herzen
Monika

Die Leichtigkeit des Schmetterlings
Veröffentlicht im ZUFALL – Das WIRtschaftsmagazin mit Herz 2/ 2011
Thema „Liebe – Leben – Leichtigkeit“

Die Leichtigkeit des Schmetterlings – pdf

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