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Julius Augustus konnte keine Gedanken hören, -so wie einige seiner Elfenschülerinnen-, dafür konnte er aber in Gesichtern lesen. Aufmerksam studierte er die Physiognomie von Lilia und Rosa. Die beiden Elfenmädels versuchten mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln, ihre Mimik zu kontrollieren. »Was haben die Beiden zu verbergen«, überlegte Julius, während er weiterhin versuchte in Rosas Gesicht zu lesen. Er konzentrierte sich auf Rosas Antlitz, denn Lilia beherrschte ihr Mienenspiel bereits viel besser als Rosa. »Hm, in beiden Gesichtern steht Freude geschrieben und ihrer beiden Augen glänzen ganz aufgeregt. Was zur Krähe haben die beiden vor?« Julius hatte Schwierigkeiten seine Neugier zu verbergen. »Als Klassenlehrer sollte ich meine Vorbildfunktion erfüllen, und nicht wie ein Erstklässler unruhig auf meinem Hosenboden hin- und herrutschen.« schimpfte er im Stillen mit sich selbst.

Lilia blickte verstohlen zu ihrer Herzensfreundin Rosa hinüber und schickte ihr aufmunternde Gedanken, »Rosa, du hältst dich tapfer«.

Dankbar lächelte Rosa zurück. Es fiel ihr recht schwer, ihre Mimik zu kontrollieren. Sie spürte regelrecht Augustus´ Blick auf ihrem kleinen unschuldig wirkenden Elfengesicht. Es fühlte sich an, als tastete er aus der Ferne jede einzelne ihrer kleinen Gesichtsporen ab. »Lilia, ich weiß nicht, wie lange ich noch standhalten kann. Gott sei Dank kann Herr Augustus keine Gedanken hören.«

»Ja, stimmt« grinste Lilia keck. »Du machst das toll Rosa, halte durch, gleich klingelt die Schulglocke und dann haben wir frei.«

Lilias Grinsen blieb Julius Augustus nicht verborgen. Es machte ihn fast rasend vor Neugier nicht zu wissen, was die beiden Elfen ausheckten. Da ertönte zu seinem Ärger auch schon die Schulglocke. Johlend und sehr schnell flogen die Elfenmädels aus der Klassentüre hinaus. Julius´ Unmut wurde immer größer, hatte er nun auch noch vergessen, seinen Schülerinnen Hausaufgaben aufzugeben. „Das geschieht mir ganz recht“, brummte er in seinen grauen Koblodrauschebart hinein.

Lilia und Rosa flogen auf dem direkten Weg zu ihrer Menschenfreundin in die alte Mühle.

„Das ist ja noch mal gut gegangen“, grinste Lilia ihre Freundin an.

„Du hast ja keine Ahnung, welche Ängste ich ausgestanden habe. Ich kann halt eben mein Mienenspiel noch nicht so gut kontrollieren wie du.“

„Elfe Rosa, das hast du doch super hinbekommen. Herr Augustus hat keine Ahnung, wohin wir fliegen und das ist megaglitzertop. Ich mag ihn nicht immer dabei haben. Er glaubt nicht, dass Elfen mit Menschen kommunizieren können und doch hängt er sich immer an meine Flügel, wenn ich zu Monika fliege.“

„Er ist halt eben besorgt um dich.“

„Brennesselquatsch. Der ist nur extrem neugierig und besserwisserisch.“

„Na, das stimmt nicht. Er ist ein super Lehrer und überhaupt nicht besserwisserisch.

„Hm, …. na ja, er war schon ganz ok, wenn er mich begleitet hat. Er hat sein Ding gemacht und ich konnte meine Interessen verfolgen.“

„Siehst ´e“, jetzt war es an Rosa, spitzbübisch zu grinsen.

„Nix siehst ´e … er hätte wenigsten fragen können.“

„Hallo die Damen, wohin so eilig?“

Lilia und Rosa blieben wie luftverwurzelt mitten im Flug schwebend im Nichts hängen. Es konnte doch nicht sein, was nicht sein durfte. Julius Augustus saß auf dem Ast einer Tanne am Waldrand. Diesen Weg nahm Lilia stets, wenn sie zu ihrer Menschenfreundin flog.

„Herr … Augustus. … Äh ….“, hüstel „Was, machen siiie denn hier?“ Fassungslosigkeit und Erstaunen waren in den zarten Stimmen der beiden Elfenmädchen zu hören. Und da war noch etwas anderes spürbar…. Enttäuschung!

In Julius breitete sich ein schlechtes Gewissen aus. Spürte er die Enttäuschung der Elfen so deutlich, als wäre es seine eigene. „Ja, stimmt, Lilia. Ich hätte dich wenigstens fragen können. Da ist meine Neugier einfach mit mir durchgegangen und ich habe dein Vorhaben und deine Wünsche gar nicht wahrgenommen. Es tut mir leid.“

Lilia war sichtlich gerührt von Augustus´ Worten. Sie hatte Hochachtung vor allen Wesen, die eine Schuld eingestehen und sich entschuldigen konnten. „Ist schon ok, Herr Augustus. Ich finde es toll, dass sie zu ihrer Neugier stehen. Und glauben sie mir, ich weiß … zu was die Neugier uns antreiben und was sie uns vergessen machen kann“, Lilias Blick wanderte reumütig zu ihrer Freundin Rosa.

„Ja, ja, die Neugier … sie kann ein Katalysator für sehr viele Dinge sein.“ Julius schöpfte Hoffnung. Zu gerne würde er Lilia und Rosa zu der Menschenfrau begleiten. Er sog langsam die frische Frühsommerluft tief ein, bevor er sich ein Herz nahm und die entscheidende Frage stellte „Ich weiß, dass ihr auf dem Weg in die Alte Mühle seid. Und natürlich kann ich mir sehr gut vorstellen, dass ihr euren alten Koboldklassenlehrer nicht dabei haben wollt. Ich glaube, das hätte ich auch nicht gerne gehabt. Dennoch …. Ich würde euch sehr gerne begleiten.“

Ein kurzer Gedankenaustausch zwischen Rosa und Lilia sollte Klarheit verschaffen.

»Lilia, was meinst du?«

»So übel ist Augustus gar nicht ….und, er hat mich ja wirklich weder gestört, noch von irgendetwas abgehalten.«

»Wenn wir ihn als Begleiter akzeptieren, dann müssen wir uns keine Ausreden mehr für unsere Eltern einfallen lassen. «

»Heissassa, Rosa, … ich dachte du bist so wohlerzogen und nun so ein kleiner durchtriebener Vorschlag … aus deinen Gedanken.« Lilia konnte sich ein freches Grinsen nicht verkneifen.

»Ich finde die Idee toll«, Rosa setzte lächelnd ihre unschuldigste Unschuldsmiene auf.

»Da soll noch einer sagen, die Rosa hat ihr Mienenspiel nicht im Griff« Lilia brach in schallendes Gelächter aus und Julius Augustus war sichtlich irritiert.

„Oh nein, Herr Augustus“, prustete nun auch Rosa los. „Unser Lachen hat rein gar nichts mit ihnen zu tun“

„Na, dann bin ich ja erleichtert“, sprach er immer noch sichtlich irritiert.

»Lieber Herr August, wir akzeptieren sie als unseren Flugbegleiter«, strahlte Lilia ihren Kassenlehrer an.

„Na dann mal los meine Damen. Lasst uns losfliegen, damit wir noch etwas erleben können.“ Wer zu hören vermochte, der konnte einen Riesenkiesel von Augustus´Herz fallen hören.

Und los ging es auf dem direktesten Weg zur Alten Mühle. Dort angekommen sahen sie Lilias Menschenfreundin ziemlich relaxt in einer Hängematte liegen. Lilia flog auf ihre rechte Schulter, Rosa auf die linke Schulter und auf Drei, gaben sie ihr zeitgleich einen Begrüßungskuss auf die Wangen. Monika lächelte und Augustus gestattete sich zum ersten Mal die Frage, ob diese Menschenfrau vielleicht doch das kleine Lichtvolk fühlen konnte. Die Antwort musste warten, denn das Buch in Monikas Hand zog Augustus´ Interesse auf magische Weise an sich. Der Titel des Buches lautete the indian secret, was das wohl sein mochte. „Lilia … Rosa ….könnt ihr hören, was die Menschenfrau liest? Der Titel klingt sehr mystisch. Ich würde gerne mehr darüber erfahren.“

Rosa und Lilia flogen auf Monikas Bauch, um den Titel des Buches ebenfalls lesen zu können.

„Sie liest gerade in Gedanken die Beschreibung auf der Rückseite des Buches“, hörte Lilia. „Sie liest so schnell, da kann ich nicht jedes Wort wiederholen. Es geht wohl um Schicksals- oder Palmblattbibliotheken. Der Autor dieses Buches Oliver Drewes hat sich auf eine abenteuerliche Reise begeben dieses Phänomen zu untersuchen und auch um seine eigenen Schicksalsblätter zu finden“.

Lilia, Rosa und Augustus schauten sich mit großen verwunderten Augen an. Palmblattbibliotheken …. ??? Schicksalsblätter …. ???? Was hatte das zu bedeuten. Nicht nur Augustus´ Neugier brannte lichterloh. Lilia und Rosa waren nun ebenfalls neugierinfiziert und so spitzten sie ihre kleinen Elfenohren, um Monikas Gedanken lauschen zu können. Augustus konzentrierte sich derweil auf Monikas Mienenspiel.

„Alle Achtung, da hat sich Oliver ja auf eine faszinierende Reise begeben. Wo war er denn überall … aha … in Indien, Sri Lanka und auf Bali“, murmelte Monika vor sich hin, während sie im Buch blätterte. „So was mag ich ja. Reisen, schauen, sich ein eigenes Bild machen und eine eigene Meinung bilden. Ich freue mich darauf, mich von seinen Worten durch seine Reiseerlebnisse führen zu lassen.“

Augustus und die beiden Elfen waren ganz aufgeregt. Diese Worte, die ihre Menschenfreundin vor sich hinmurmelte, schürten das Feuer der Neugier in
ihnen immer heftiger an. Sie wollten unbedingt hier und jetzt noch mehr über
diese mystischen Themen erfahren.

„Tanzen da etwa Regentropfen in der Luft? Wäre ja auch zu schön, um wahr
zu sein.“ Monika streckte ihre Hand aus, um die Regentropfen aufzufangen und klappte the indian secret zu.

„So´n Fallobst. Warum muss es ausgerechnet jetzt anfangen zu regnen“, grollte Julius Augustus.

Rosa dachte an den megadicken Regentropfen und senkte beschämt ihren Kopf.

„Wir müssen jetzt nach Hause fliegen. Es wird immer dunkler und ich höre es auch schon in der Ferne grummeln. Ich möchte auf jeden Fall vor dem Gewitter Zuhause sein“. Lilia wäre auch lieber geblieben. Sie mochte es gar nicht, wenn sie ein Geheimnis nicht augenblicklich lösen konnte.

„Lilia hat recht. Wir kommen in den nächsten Tagen wieder. Vorher können wir Spinne Leona fragen, ob sie auch in Blättern lesen kann. Sie liest ja in Tautropfen, Netzen, Steinen und anderen Dingen. Vielleicht kann sie unsere Neugier vorab ein klein wenig stillen.“

„Herr Augustus, das ist eine super Idee,…  aber, …. was ist, wenn Monika weiterliest und wir sind nicht da?“ Rosa blickte enttäuscht in die Runde.

Lilia flog sogleich auf Monikas Schulter und flüsterte in ihr Ohr, „Bitte liebe Menschenfreundin, lies heute nicht weiter. Wir möchten gerne mehr erfahren und das können wir nur, wenn wir bei dir sind. Warte bitte auf uns.“ Lilia und Rosa verabschiedeten sich mit einem zarten Elfenkuss von ihr.

„Schade, dass ich heute keine Zeit mehr habe. Na, dann lese ich halt eben morgen weiter“, sprach Lilias Menschenfreundin leise lächelnd vor sich hin.

„Tschüssi, Menschenfrau“, winkte nun auch Julius Augustus.

Die Frau stimmte lächelnd ein Lied an und winkte in die Natur hinaus,
„Wunder gibt es immer wieder heute oder morgen können sie geschehen …..“

Julius Augustus erschrak … konnte die Menschenfrau ihn etwa doch hören?

Ich wünsche euch einen superschönen Start in eine wundervolle Woche
Von Herzen
Monika

Wenn jetzt ein Funke der Neugier zu euch geflogen ist,
und ihr möchtet mehr über das Buch erfahren,
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© Fotos und Text Monika Schmitt

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