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Der Winter meldet sich –mit einer Riesenmenge Schnee – zurück. Kein Wunder, dass sich unser Vogelhaus im Mühlental einer großen Beliebtheit erfreut.

Ich wünsche euch eine superschöne Woche …

Das Futterhaus im Mühlental

Wann wer kommt und geht, das ist ihm gleich, dem Futterhaus im Mühlental.
Da hat ein jeder Vogel freie Wahl.
Ob bunt, gestreift, gescheckt ob grau,
So sieht’s ein jeder, nicht nur fast sondern genau.

Zum Beispiel kommt der Eichelhäher
Heute ausnahmsweise eher.
Dem Specht, dem ist es sowieso ganz recht,
Denn sein Hunger macht sich breit
Erst gegen vier bis fünf, zur späten Mittagszeit.

Eine kleine Meise, ist heut’ besonders witzig drauf,
Setzte sich vor ihrem Ausflug noch eine spitze Haube auf.
Auch die Ammer kennt sich aus, mit den neusten Moden,
Erscheint heut ganz in gold, pickt lässig und vornehm vom Boden.

Ein Schwarm Langschwanzmeisen hängt gedrängt
Am Nußkranz, der am Häuschen schwenkt.
Schau gut hin und lerne,
Die einen hacken sich, doch sie, sie teilen gerne.

Jetzt fliegt heran die Elster, wirklich keck,
Mischt kräftig auf, und alle fliegen weg.
Stopft sich voll, verschlingt zum Schluß
Noch eine fette Haselnuß.

Die letzte Nuß die war zu viel, muß schnellstens wieder raus.
Im Sinkflug drückt sie unverdaut, sie über’m Acker wieder aus.
Dort wo sie hinfällt wächst im nächsten Jahr mit grünem Blatt
Ein Strauch, der braune Früchte hat.

Plötzlich hat’s alle in den Schock versetzt,
Der Falke naht mit zuviel Schwung, hat sich verschätzt
Und landet statt am Futterplatze,
Dicht an der Hauswand neben Luzie unserer Katze.

Doch nicht im Flug nur ist er schnell, hat’s gleich begriffen
Und hat sofort wieder die Flucht ergriffen.

Zwischen Hecken, Sträuchern unterm Erlenbaum
Sieht man den silbergrauen Reiher kaum.
Fast bewegungslos, doch hell wach
Stolziert er durch den kalten Bach.

Sein Auge klar, sein Schnabel scharf gleich einem Messer,
Zieht er ganz gelassen immer wieder einen Fisch aus eisigem Gewässer.
Lässt sie lässig alle gleiten in des Schlundes Grunde,
Es sind heut` wirklich glitschig leckre Funde.

Jetzt hält die andre Katz es nicht mehr aus,
Sie lag am Fenster, schaute raus.
In ihr erwacht das Herz der Jägerin,
Ich will’s nicht seh’n, doch schaue hin.

Sie schleicht durch die Klappe außen `rum,
Auf die Terrasse, schaut ganz dumm,
Denn dort, wo eben emsiges Geflatter war,
Ist Stille, kein einz’ger Vogel ist mehr da.

Betrübt trollt sie sich leis’ herein,
Vielleicht wird’s morgen anders sein.
Auch ihre Hoffnung stirbt zuletzt,
Hat heut auf’s falsche Federpferd gesetzt.

Die Bank am Fenster, die ist abermals ihr End- und Ausgangsziel,
Dort beginnt schon bald von vorn das Fangnicht-Spiel.
Ich dreh’ am besten unterm Fenster die Heizung etwas wärmer,
Mag sein, sie bleibt dann lieber drin und die gefiederten Gesellen
werden nicht um ein paar Freunde ärmer.

Vier Ecken hat das hölzern Vogelhaus,
Jetzt schaut an jeder eine schwarze Amsel raus.
Turmwächtergleich, jede mit starrem Blick,
Beschlagnahmt alles, Stück für Stück.

Mitleidslos heißt es zu sichern den kompletten Platz.
Ein Teil der Beute reicht wohl nicht, es muß sein der ganze Schatz.
Und so halten sie, höchst konzentriert und ganz besessen,
Die Wacht im Zorn am Korn, und haben überdies …
das Fressen ganz vergessen.

So geht’s tagein, tagaus, von morgens früh bis in die Nacht,
Ein Flattern, Zwitschern, Balgen, Kommen, Meiden, Teilen, Neiden,
bis das der Frühling neu erwacht.

Dann fliegen sie hinaus. Auf Wiesen, Feldern, unter Bäumen, hinter Rinden,
Dort werden alle reichlich Nahrung finden.

Im nächsten Winter kommen sie dann wieder,
Mit ihren Kindern, die schon groß und singen neue Lieder.
Der Platz wird dann gerichtet sein, mit noch mehr Krumen und mit Kernen,
Sie sollen uns’re Gastfreundschaft auf`s Neue kennen lernen.

Alle sind gewiss, wir auch, es ist und bleibt die beste Wahl,
Das Futterhaus im Mühlental.

© Frank Breburda

… und wer den ganzen Text nicht lesen möchte, der kann ihn sich hier anhören 😉

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